Rica - Delfintherapie im Roten Meer
Lissenzephalie
geb. 12.06.1992
Ein Erfahrungsbericht von Uschi Ludwig über die Delfintherapie in Ägypten. Außerdem Adressen zur Delfintherapie weltweit.
Weitere Infos zur Delfintherapie am Seitenende
Ankunft
Wir flogen bei Schnee und Kälte ab und waren insgesamt 15 Stunden unterwegs.
Den Flug und auch das Umsteigen in München verkraftete Rica super. Wir erhielten überall Hilfe. Der Wagen wurde als letztes Gepäckstück verladen und stand jeweils bei Ankunft wieder bereit.
Am Nachmittag des 26. März 2001 landeten wir bei sommerlichen Temperaturen in Sharm el Sheikh. An die Gemütsruhe der Ägypter hier auf dem Flughafen mussten wir uns erst gewöhnen. Da ich allein mit Rica reiste, war ich dringend auf die Hilfe der anderen angewiesen. Glücklicherweise boten deutsche Urlauber an, mir beim Auffinden des Gepäckes behilflich zu sein. Das Trinkgeld, das ich schon bereitgehalten hatte, ließ uns das nächste Ziel erreichen - den Bus. Nach gut zwei Stunden Fahrt im klimatisierten Bus durch die Wüste hatten wir unser Hotel "Tropicana" in Nuweiba erreicht.
Das Personal war vom ersten bis zum letzten Tag freundlich und zuvorkommend. Alle bemühten sich rührend um Rica - fast schon zu viel des Guten.
Die Hotelanlage wird liebevoll begrünt und gepflegt. Die Zimmer sind sauber und schlicht, aber gemütlich. Für den Pool und den Strand gibt es täglich frische Handtücher.
Auch der Service für die Kinder ist Spitze, rund um die Uhr Getränke, 12.00 Uhr Mittagessen, 15.00 Uhr Kuchen, 17.00 Uhr Eis - alles frei, bei Bedarf Animation.
Am Abend lernen wir Norbert, den Organisator der Therapie, kennen. Samuel (11 Jahre jung) stellt sich uns gleich beim Abendessen vor und wird wie Rica an der Therapie teilnehmen. Ihn und seine Mutti Ulrike schließen wir sofort in unser Herz.
Ruhepause
Ohne Wagen geht nichts. Nachdem Rica die Reise scheinbar bestens verkraftet und sich auch schnell an die neue Umgebung gewöhnt hat, erwacht sie an unserem ersten Morgen gegen 8.30 Uhr hier in Ägypten - den Delfinen nahe - völlig kraftlos. Eigentlich sollte der Wagen im Zimmer bleiben. Ich wollte alle kurzen Strecken mit Rica laufen, aber an diesem Dienstag vorerst nicht.
Schon während des Frühstücks hat Rica kurze Aussetzer, Anfälle über 2 bis 3 Sekunden.
Die Reise ist an die Substanz gegangen. Die Klimaveränderung, die neue Umgebung - viele Reize, die erst einmal verarbeitet werden wollen.
Auch der erste Kontakt mit dem Meer verläuft ablehnend. Rica mag den Boden, ob Sand oder Wasser, gar nicht berühren. Sie ist überfordert, braucht Ruhe.
Nach 2 Stunden Mittagsschlaf sieht die Welt schon anders aus. Wir sitzen wenig später im Sand und spielen mit anderen Kindern. Das Wetter ist sommerlich. Ich finde es hier traumhaft schön. Auch Rica beginnt zu genießen, obwohl sie noch immer nicht voll bei Kräften ist. Gott sei Dank können die Medikamente, die ich stets mit Kühlakku "an der Frau" habe, in der Tasche bleiben.
Rica beginnt allmählich, ihre neue Umgebung für die kommenden beiden Wochen genauer zu betrachten. Ihr Lächeln kehrt zurück. Ich atme auf, lasse meine Ängste Stück für Stück durch mich hindurch. Morgen beginnt die Therapie. Werden Olin und ihr Baby da sein?
Am Abend trifft Karsten mit Freundin im Hotel ein. Er wirkt freundlich und sympathisch. Wir mögen ihn sofort. Für die Dauer der Therapie (10 Tage geplant) wird er die wichtigste Bezugsperson meiner Tochter sein. Ein gutes Omen. Wir schlafen ruhig und sehen dem nächsten Morgen voller Spannung entgegen.
Erster Kontakt mit Olin und Baby
Ich stehe gegen 6.00 Uhr auf und bin erstaunt, wie wach ich um diese Uhrzeit sein kann. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm und völlig windstill. Nicht ein Wölkchen ist am Himmel zu sehen. Ein guter Tag, um mit der Therapie zu beginnen und einen Traum wahr werden zu lassen.
Rica wacht eine halbe Stunde später auf. Ich lasse sie ganz in Ruhe zu sich kommen und serviere uns das Frühstück im Zimmer. Das will ich auch für die nächsten Tage so beibehalten. Rica braucht morgens Zeit und Ruhe, um fit für den Tag zu sein.
Wir warten eine Weile auf das Taxi, und es kommt auch - interessante Fahrzeuge, von denen sich der jeweilige Fahrgast selbst ein Bild machen sollte. Der Fahrer begrüßt Rica sehr freundlich und bietet sofort seine Hilfe an.
Nach wenigen Minuten sind wir an unserem Bestimmungsort, an Abid'Allah's Strand angekommen. Samuel ruft uns begeistert entgegen und winkt zur Begrüßung.
Da sehe ich die Rückenflossen der beiden Delfine. Wie schön! Sie sind wirklich hier...
Ich habe keine Zeit, dieses Bild weiter auf mich wirken zu lassen. Abid'Aallah kommt auf uns zu und heißt uns wie alte Freunde willkommen. Seltsam, er scheint direkt aus dem Buch "Das Lächeln des Delfins" entsprungen zu sein. Ich hatte ihn mir lebendig vorstellen können. Am intensivsten beeindruckt mich nun seine Ursprünglichkeit.
Viele neugierige Beduinen sitzen um uns herum und beobachten die seltsamen Ausländer.
Norbert scheint aufgeregt, während Karsten nach außen ruhig wirkt. Wir werden von Norbert angetrieben. Ich zwinge mich zur Ruhe sowie Rica und mich in die Neoprenanzüge, die uns vor Auskühlung schützen sollen. Rica noch die Mütze auf, den Schwimmring umgeschnallt und die Badeschuhe an, dann sind wir bereits auf der Treppe, die uns direkt ins Rote Meer zu den Delfinen führt.
Rica hält einen Moment die Luft an, da das Wasser nicht unbedingt Badewannentemperatur hat. Nach kurzer Gewöhnung schwimmt Rica bereits zwischen mir und Karsten. Ich kann mich bald zurücknehmen, da sie Karsten vertraut und intensiven Blickkontakt mit ihm hält. Es dauert nicht lange, bis uns Olin und ihr Baby neugierig umschwimmen. Sie kommen nahe heran, entfernen sich wieder, schwimmen direkt unter uns durch und scheinen uns aufzufordern, ihnen zu folgen. Als sie merken, dass wir nicht so schnell "auf den Flossen" sind, kehren sie immer wieder zu uns zurück. "Was sie wohl an Menschen, die ‘anders sind’, interessieren mag?" geht es mir durch den Kopf. "Im Moment ist das Wichtigste, dass sie da sind - aus welchen Gründen auch immer."
Wir bleiben eine Dreiviertelstunde im Wasser, die uns viel kürzer erscheint.
Als wir an Land gehen, bemerken wir, wie das Schwimmen angestrengt hat, wie wacklig uns die Beine tragen. Rica strahlt selig. Wie empfindet sie das Schwimmen mit den Delfinen? Wie wirken diese vielfältigen neuen Reize auf sie? Ich wünsche mir, dass sie mir eines Tages ihre Empfindungen mittels Sprache mitteilen kann.
Nach kurzer Pause fahren wir weiter nach "Mabroka", das wir auch zu Fuß erreichen könnten. Es liegt ganz nahe. Wir wollen Rica jedoch nicht überfordern. Hier ist es noch ruhiger - wunderschön.
Das Camp wird für die nächste Zeit Wirkungsstätte für die Therapiearbeit an Land sein. Die Gastfreundschaft der ansässigen Beduinen ist rührend. Sie helfen ohne große Worte.
Um ungestört arbeiten zu können, ziehen sich Rica und Karsten zur "geheimen Tätigkeit" in eine Hütte zurück. Ich kann mich währendessen vollkommen entspannen, da ich Karsten wie Rica uneingeschränktes Vertrauen schenke. Ich weiß, dass er seine Ziele nur mit Rica - auf seinen Beobachtungen aufbauend - verfolgen wird.
Es war richtig, diese weite Reise anzutreten.
Zweiter Therapietag
Nachdem Rica am Nachmittag zuvor noch glücklich im Roten Meer gesessen und ausgiebig mit Sand und Wasser gespielt hatte, lag sie später plappernd im Bett und schlief selig ein.
Gegen 5.30 Uhr schütteln sie 5 Minuten lang BNS-Krämpfe, ehe sie erschöpft wieder einschläft. Frühstück im Zimmer. Ich beobachte Rica genau. Um 8.00 Uhr schwimmt Rica schon mit Karsten und den beiden Delfinen. Sie wirkt müde, aber fröhlich. Olin und die Kleine erscheinen zuverlässig in Ricas Nähe. Wahnsinn. Eine Dreiviertelstunde bleibt Rica im Wasser bei den Delfinen. Sie vertraut Karsten. Ich versuche vom Ufer aus, das Schauspiel mit der Kamera einzufangen. "Aber alles auf Video"
Als Rica aus dem Wasser kommt, ist sie total erschöpft. Wir lassen sie ruhen, ehe wir zum Camp weiterfahren. Auch dort erst mal Pause - oder doch eher nur für uns? Rica fordert permanent Beschäftigung, will spielen. So übersehen wir, dass wir sie bereits überfordern. Rica arbeitet anschließend fast eine Stunde mit Karsten in der Hütte: Bälle kneten, Luftballons aufblasen, Wasser umfüllen, Puppe füttern, .... Die Arbeit bereitet ihr sichtbar Freude. Dann steht plötzlich das Boot bereit, um Olin mit einem Oktopus zu füttern. Wir fahren mit Rica und den anderen aufs Meer hinaus. Rica wirkt müde. Es ist einfach zu viel. Wir sind so begeistert, dass wir vergessen, wie Rica mit der Reizüberflutung zu kämpfen haben muss. Nach dem Mittagessen fahren wir mit einem offenen Jeep zurück ins Hotel. Dort angekommen findet Rica keine Ruhe und weint sogar. Ich halte sie ganz fest und wünsche Rica unter Tränen, dass wir sie angemessen fordern. Wir ruhen zwei Stunden. Rica geht es viel besser, dennoch beschließen wir, einen Tag Pause einzulegen, damit wir ihren Kräftehaushalt noch besser einzuschätzen lernen. Auch besteht die Gefahr, dass in der Nähe der Delfine die Krampfbereitschaft aufgrund der Strahlung zunimmt.
Wir lassen den Tag mit einem Bad im Pool und ruhigen Sandspielen ausklingen.
Rica ist hellwach, konzentriert, wehrt sich massiver gegen Dinge, die sie nicht mag, entscheidet sich zwischen zwei Getränken oder zwei Spielsachen. Sie ist aus sich heraus permanent tätig, mag nicht einfach nur sitzen oder liegen.
Rica schläft ohne weitere Anfälle fix und fertig, aber zufrieden ein.
Pause
Wir schlafen aus. Ich bade noch vor dem Frühstück im Pool. Erst gegen 9.00 Uhr gehen wir gemütlich und ausgiebig frühstücken. Rica wirkt erst schlapp, aber wenig später putzmunter. So gehen wir bei dem schönen Wetter an den Strand, genießen Sand, Wasser und Sonne. Rica buddelt ausdauernd mit ihren "Werkzeugen".
Sie ist so gut drauf, dass wir uns zu einem kurzen Kamelritt entschließen. Ein witziges und wackliges Erlebnis. Wenig später kehrt Samuel mit der Nachricht zurück, dass Olin nicht gekommen ist. Vielleicht war auch ihr der gestrige Trubel zu viel?
Nach dem Mittag ruhen wir zwei Stunden. Rica schläft fest. Wir gehen Pizza essen, am Strand spielen, im Pool schwimmen. Vor dem Abendessen erledigen wir unsere Abendtoilette, bei der Rica zu Späßen aufgelegt ist und mich immer häufiger in meinen Tätigkeiten nachahmt. Abendessen gibt es erst ab 19.00 Uhr. Heute ist am Pool gedeckt. Ein traumhafter Abend. Rica schraubt bald eine halbe Stunde lang eine Wasserflasche auf und zu. Maria Montessori wäre begeistert gewesen!
Dritter bis siebter Therapietag
Samstag
Der Himmel ist bedeckt - ein neuer Anblick für uns, aber es ist völlig windstill.
Rica wird um 6.30 Uhr wach. Ich bin bereits fertig. Unseren Wecker haben wir bisher nicht gebraucht. Wir frühstücken wie gewohnt auf dem Zimmer. Rica sitzt gerade, die Beine locker gestreckt, irgendwie elegant. Sie wirkt durch ihre Haltung größer und insgesamt wacher. Ihr Gesichtsausdruck hat sich verändert, so als wäre sie älter geworden. Sie streichelt immer wieder sanft ihre Beine. Mit geringer Hilfe schüttet sie die Milch aus der Tasse in ihren Becher und genießt.
Wir warten noch auf das Taxi und vertreiben uns die Zeit mit den vielen "Balla-bällen" auf dem Billardtisch. Hier kann Rica völlig frei hantieren. Sie freut sich, dass andere Kinder mit ihr spielen. 8.20 Uhr fahren wir los. Olin begrüßt uns und schwimmt ständig in Ricas Nähe. Ihr Baby interessiert sich heute verstärkt für Rica. Sie kommt so nahe, dass Rica sie hätte berühren können. Rica bleibt mit Karsten 50 Minuten im Wasser, schwimmt ganz frei und ohne Angst. Sie verfolgt das Delfinbaby konzentriert mit den Augen, bewegt sich mit dem Körper in dessen Richtung und versucht, ihm nachzuschwimmen. Etwa 20 Minuten haben Rica und Karsten die Delfine ganz für sich allein, genießen deren uneingeschränkte Aufmerksamkeit. W a h n s i n n ! Dann füllt sich das Wasser nach und nach mit Touristen. Erstaunlicherweise interessiert das die Delfine nicht. Sie schwimmen weg, alle Schnorchler hinterher, und kehren zu Rica zurück. Auch der Therapeut Karsten ist von dieser Erfahrung überwältigt. Wirklich erstaunlich.
Das Schwimmen hat Rica sehr angestrengt, sie wirkt an Land müde. Nach einer Pause arbeitet sie noch mit Karsten in der Hütte. Er lässt es heute langsam angehen. Trotz ihrer Müdigkeit konzentriert sich Rica durchgängig.
Gegen 13.00 Uhr sind wir wieder im Hotel. Rica schläft sofort ein.
Als sie aufwacht, ist es so windig, dass ich beschließe, lieber nicht an den Strand zu gehen. Wir spielen im Zimmer. Am späten Nachmittag gehen wir im Pool schwimmen. Rica strahlt, plappert vor sich hin und lacht laut. 20.45 Uhr schläft Rica zufrieden ein.
Sonntag
Gegen 6.30 Uhr wacht Rica mit einem leichten Zucken auf, das 2/3 Minuten anhält. Sie lässt sich ablenken und spielt dabei. Samuel fährt heute mit uns, da Olin noch nicht gesehen wurde. Wir starten gegen 8.00 Uhr alle gemeinsam und beschließen, dennoch ins Wasser zu gehen. Als Rica gerade mit Karsten hinausschwimmt, brausen an ihnen 7 Delfine vorüber. Sie können sie aus nächster Nähe sehen, und Rica lacht laut. Am Strand, wo auch ich das Treiben beobachte, herrscht Volksfeststimmung. Die Beduinen, die Touristen - alle jubeln. Ob unter diesen Bedingungen an Therapie zu denken ist? Olin ist scheinbar schon der Ansicht und kehrt nach wenigen Minuten wieder zurück. Viele aufgeregte Menschen zappeln durch das Wasser, aber Olin hat ein festes Ziel. Sie bringt ihr Baby erneut in Ricas Nähe und hält sich zuverlässig dort auf. Ich danke ihr still. Es bedeutet mir so viel... Trotz der Unruhe verfolgt Rica die Delfine stetig mit den Augen. Die anderen Leute stören sie nicht. Sie hat nur Augen für die Delfine und Karsten. Ich kann es kaum glauben. Erst als ein weiteres behindertes Kind, das über einem Surfbrett liegt, ins Wasser kommt, wird auch ihm Olins Aufmerksamkeit zuteil. Welche Erklärung es auch immer geben mag, die Delfine scheinen ein einziges Wunder zu sein. Nach etwa 40 Minuten nimmt der Trubel im Wasser weiter zu, und Karsten kommt mit Rica an Land. Rica ist frei, glücklich und vollkommen erledigt. Als sie sich bei Karsten ausruht, gehe ich mit Ulrike ins Wasser, schwimme mit den Delfinen und genieße deren Nähe. Im Wasser ist es wieder ruhiger geworden. Nur noch wenige Leute schnorcheln durch das Meer.
Nach der Arbeit an Land legen wir die gewohnte Mittagspause im Hotel ein, gegen die sich Rica kurz aufbäumt - sie will überhaupt nicht ins Zimmer, versinkt aber kurz darauf in süße Träume.
Am Nachmittag bricht das gesamte Team, außer Rica und mir, zu einem Tripp in die Wüste auf. Wir haben kurz überlegt und sind zu dem Schluss gekommen, dass dieser Ausflug zu anstrengend für Rica wäre.
Wir genießen den Hotelstrand, schwimmen im warmen seichten Meereswasser. Ich habe sogar Gelegenheit, mir das nahe gelegene Korallenriff mit den farbenprächtigen Fischen anzusehen, während sich eine Urlauberin aus Leipzig liebevoll um Rica kümmert.
Wir beschließen den Abend wie gewohnt und freuen uns, am nächsten Morgen ausschlafen zu können.
Montag - Ruhe vor dem Sturm
Wir sind um 7.00 Uhr schon wach, frühstücken gemütlich, packen unser Sandspielzeug ein und gehen am Strand buddeln, platschen durch das warme Wasser und faulenzen. Mittag trifft der Wüstentrupp wieder im Hotel ein. Wir gesellen uns dazu und fahren direkt an Abid'Allah's Strand. Wie erwartet sind die Delfine nicht mehr da. Sie verlassen meist am späten Vormittag die Bucht. So schwimmt Karsten mit Rica eine Dreiviertelstunde intensiv. Wassertherapie. Rica kommt glücklich wie sonst zurück an Land. Nach dem Mittagessen im Camp ruhen wir etwas, Rica schläft jedoch nicht wie sonst. Anschließend arbeitet sie ungestört mit Karsten. Auch ich lasse die Ruhe, dieses Fleckchen Erde, die stille Gelassenheit täglich ein Stückchen tiefer in mich ein. Wir treten erst am späten Nachmittag die Rückreise ins Hotel an. Ein wunderschöner Tag, den wir mit einer Runde im Pool, Abendtoilette und einem gemütlichen Abendessen gemeinsam mit Samuel und Ulrike langsam ausklingen lassen.
Dienstag
Der Wind ist schon in der Nacht aufgekommen. Wo ist der sonst so blaue Himmel hin? Ich vermute, dass wir heute nicht schwimmen gehen werden. Falsch gedacht. Wir sind flexibel, packen unsere Regensachen und machen uns auf die "Strümpfe". Es regnet mehrmals kurz, ist aber nicht wirklich kalt. Nur der Wind zwingt uns in wärmere Sachen. Bis zum heutigen Tag haben wir keine Jacke gebraucht. Darüber wollen wir uns freuen. Wir kommen 8.15 Uhr bei Abid'Allah an. Es ist traumhaft ruhig. Außer unseren treuesten Beduinenfreunden hat sich keiner hierher aufgemacht. Die befürchteten Schaumkronen auf demWasser finden wir glücklicherweise auch nicht vor. Leichte Wellen. Karsten hat beschlossen, Rica ab heute die Badeschuhe im Wasser auszuziehen, so dass sie sich noch freier bewegen kann. Olin und ihr Baby schwimmen zuverlässig in Ricas Nähe, tauchen unter ihnen hindurch, schwimmen um sie herum. Ideale Therapiebedingungungen. Es stört niemand diese herrliche Ruhe.
Rica scheint später an Land ausgeglichener denn je.
Simon und Karsten fahren schon mit Rica nach "Mabroka" zum Ausruhen. Dort ist es noch weniger windig. Ich nutze die einmalige Chance, nur mit Ulrike und den Delfinen zu schnorcheln. Da ich keinen Neoprenanzug trage, fröstele ich nach einiger Zeit, will mich aber noch nicht von der Anmut der Delfine losreißen. Das Schwimmen mit ihnen kann süchtig machen.
Nachdem Rica mit Karsten konzentriert gearbeitet hat, fahren wir beide allein ins Hotel zurück und schlafen dort zwei volle Stunden. Ich lege mich sonst sehr selten tagsüber hin, schlafe auch nicht. An diesem Tag schlafe ich ganz fest und schwimme im Traum noch mit den Delfinen. Wie mag Rica diese starken Reize erleben und verarbeiten?
Am Nachmittag regnet es. Wir ruhen im Zimmer. Mir bleibt Zeit, meine Aufzeichnungen zu vervollständigen und die Bilder zu sortieren.
Am Abend beruhigt sich das Wetter, so dass wir unsere Runde im Pool drehen. Während der Abendtoilette redet Rica noch mehr als sonst und amüsiert sich über mein Echo. Ein neues Wort spricht sie deutlich: "Bagger". Auf der Fahrt zum Therapieort wird überall gebaut und wir sehen täglich viele davon.
Rica schläft bei Licht selig ein und bleibt auch die ganze Nacht ruhig, obwohl es heftig gewittert.
Norbert sucht mit seiner Familie in dieser Nacht Asyl bei Karsten im Hotel. Sie sowie ihre ganzen Sachen sind vollkommen durchnässt.
Mittwoch
Mami platscht um 6.00 Uhr mit halbgeschlossenen Augen zur Toilette. Rica amüsiert sich lauthals. Wir stehen von zwei Seiten aus unter Wasser. Wassertherapie im Zimmer?
Wir beschließen, alles so zu nehmen wie es ist, und frühstücken in Ruhe. Rica bekommt einen Anfall, der etwa 2 Sekunden anhält. Sie fällt einfach seitlich um. Ich bin erschrocken, weil ich denke, dass Rica sich eingewöhnt hat, versuche dem nicht zu viel Bedeutung zu schenken. Vielleicht bleibt es ja eine Ausnahme. Beim Warten auf das Taxi in der Halle hat Rica wieder solch einen kurzen Aussetzer. Ich kann sie gerade noch halten, sonst wäre sie auf den Boden geschlagen. Sollen wir lieber eine Pause einlegen? Wir beschließen trotzdem zu fahren, da Rica nach den ganz kurzen Anfällen voll da und bei Kräften zu sein scheint, sind aber unsicher. Auch im Auto und im Wasser wiederholen sich die Anfälle.
Wir brechen ab, hätten das bereits am Morgen tun sollen. Bis zum Abend hat Rica insgesamt 8 solcher Anfälle. Ich führe ein intensives Gespräch mit Karsten. Mit dieser Häufigkeit waren die Anfälle tagsüber noch nicht aufgetreten. Ich habe den Eindruck, dass sich die Störungen von der Nacht auf den Tag verlagert haben. Da wir nicht wissen, wie die Delfinstrahlung auf Ricas Anfalltätigkeit wirkt, wollen wir lieber einen Tag pausieren und Ricas Belastbarkeit noch besser beobachten. Sie will scheinbar mehr, als sie verkraften kann. Diesen Eindruck erweckt Ricas Verhalten schon lange bei mir. Ich kämpfe gegen die Angst.
Am Nachmittag ist es sehr windig. Wolken ziehen auf, werden weggeblasen, sind aber von irgendwo auch gleich wieder da. Zum ersten Mal frieren wir am Strand und wickeln uns ein. Ulrike kommt der Gedanke, dass das Gewitter Einfluss auf Ricas Anfälle gehabt haben könnte. Das erscheint mir nicht abwegig - dazu die intensive Strahlung der Delfine - keine Ahnung, welche Wirkung alles zusammen haben kann...
Noch während Licht im Zimmer ist, schläft Rica friedlich ein, als wären keine Anfälle und Ängste Wirklichkeit.
Am Nachmittag war sie super drauf. Im Bad rief sie mehrfach deutlich "Badewanne" - wieder ein neues Wort. Was werden wohl die nächsten Tage bringen?
Pause
Wir frühstücken genüsslich. Das Wetter hat sich beruhigt. Rica ist gut drauf und bleibt den ganzen Tag anfallsfrei. Sie spielt lange mit der fünfjährigen Karolin im Sand und beobachtet sie intensiv. 17.00 Uhr gibt es wie jeden Tag Eis. Rica kündigt dieses Ritual inzwischen fast pünktlich von selbst an "Eis - ja?" . Den Abend verbringen wir handelnd auf dem Basar in Tarabin. Wir erstehen landestypische Musikinstrumente und genießen bei romantischer Stimmung ein nicht ganz preiswertes Fischessen.
Obwohl es hier wunderschön ist, meldet sich intensives Heimweh an, als ich meinen Mann und meine Kinder an der Strippe habe. Ich freue mich auf zu Hause!
Die letzten drei Therapietage
Freitag
Rica ist im Gegensatz zu Norbert fit. Wir starten an diesem Morgen eine halbe Stunde später im Hotel, da Karsten für Norbert eingesprungen ist und Samuels Therapie übernommen hat. Als wir ankommen, ist niemand am Strand, auch Olin nicht. Wir fahren weiter nach Mabroka. Wir lesen und spielen eine Weile, bis Karsten uns mit der Nachricht abholt, dass Olin doch noch gekommen ist. Wir laufen an den Strand. Rica ist begeistert. Das letzte Stück trägt Karsten sie, damit es nicht schon vor dem Schwimmen zu viel wird. Die Sonne scheint zwar, aber durch den Wind kühlt die Luft ab. Als wir Olin begrüßen wollen, erzählen die Beduinen, dass sie nur kurz geblieben ist. Karsten und Rica verschnaufen eine Weile und gehen trotzdem ins Wasser. Die Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit schätze ich besonders an Karsten, und wie ich glaube - Rica auch.
Als Rica und Karsten im Wasser sind, tauchen die Delfine wie aus dem Nichts plötzlich auf, so als hätten sie nur auf uns gewartet. Ein Wunder - ich halte die Luft an, weil ich es nicht fassen kann. Danke. Danke für solch intensive Begegnungen.
Die anderen Delfininteressierten haben zum größten Teil schon aufgegeben und den Strand verlassen. Besser können wir uns die Bedingungen für unsere Arbeit nicht wünschen. Die Delfine kommen aus freien Stücken und regelmäßig, wir haben Zeit und Ruhe sowie einen gelassenen Therapeuten, der Rica die nötige Sicherheit im Wasser gibt. Rica scheint in den Tagen hier ein ganzes Stück in sich gewachsen zu sein.
Ich sehe aufs Wasser und bewundere Rica, wie frei und wendig sie sich weit draußen im Meer bewegt.
Ulrike und ich schwimmen anschließend mit den Delfinen. Sie, Olin und ihr Baby sind mir vertraut, als kenne ich sie schon ewig. Wir schwimmen eine Weile. Wenn ich bedenke, wie ängstlich ich noch bei meinen ersten Schnorchelversuchen vor nur wenigen Tagen gewesen bin, und wie frei ich mich jetzt in der Nähe der Delfine fühle. Eine tolle Erfahrung. Die Delfine kommen manchmal so nahe, dass ich sie berühren könnte. Ich tue es nicht. Wie würde sich die Haut anfühlen, so samtig weich, wie sie aussieht?
Wir essen Mittag im Camp, ruhen, bevor Rica mit Karsten an Land arbeitet. Sie ist heute besonders konzentriert. Erst um 16.00 Uhr kehren wir ins Hotel zurück - kurze Pause - Strand - Abendessen - Nachtruhe: ein besonders intensiver Tag - anfallsfrei!
Samstag
Wir starten um 8.30 Uhr. Rica hat gut geschlafen, wirkt aber müde. Eine Hamburger Familie begleitet uns. Rica schwimmt etwa eine halbe Stunde mit Karsten und den Delfinen, während wir sie vom Boot aus beobachten und im Bild festhalten. Die Delfine sind so schön und anziehend.
Anschließend schnorcheln Ulrike und ich wieder ausgiebig. Ich verabschiede mich schon von diesen faszinierenden Wesen, da ich nicht weiß, ob ich ihnen an unserem letzten Tag hier noch ein Mal so nah sein werde. Ich möchte wiederkommen.
Das Camp und die Leute dort sind uns so vertraut, dass wir total entspannen können. Während Rica mit Karsten arbeitet, unterhalte ich mich mit den Beduinenmädchen, lasse Bänder knüpfen oder kaufe ihnen etwas von ihrem Schmuck ab. Gut, dass ich Geschenke mitgenommen habe. Am meisten genieße ich jedoch die Ruhe beim Lesen, Schnorcheln oder Beobachten. Wieder kehren wir erst am Nachmittag ins Hotel zurück, gehen am Strand buddeln. Ein neues Wort wiederholt Rica immer wieder: "Wecker".
Sie schläft um 20.30 Uhr.
Sonntag - letzter Tag
Etwas schwermütig treten wir unsere letzte Fahrt durch den Hafen Richtung Strand zu den Delfinen bereits um 7.30 Uhr an. Norbert hat für heute "fototime" angeordnet. Ob die Delfine trotzdem da sein werden, Rica zuliebe? Anfangs schwimmen Karsten und Rica ruhig wie sonst, aber durch den Fotodruck kommt eine seltsame Stimmung auf, die nichts mit dem bisher Erlebten gemeinsam hat. Rica ist auch nicht so frei wie sonst. Olin und Baby schwimmen zuverlässig heran, wir können uns verabschieden und ihnen still danken.
Plötzlich bricht der schon bekannte Touristenrummel über den Strand herein. Gern wäre ich ein letztes Mal in Ruhe mit den Delfinen geschwommen. Ich verzichte darauf, wie die Massen den Delfinen nachzujagen, möchte die Ruhe der letzten Begegnungen für mich bewahren. So flüchten wir nach Mabroka, verabschieden uns vorher herzlich mit kleinen Geschenken. Dort arbeitet Karsten wie jeden Tag mit Rica. Sie drängelt immer schon zum Spielen.
Am Nachmittag verabschieden wir uns im Meer am Hotelstrand, buddeln noch mal im Sand und genießen die Wärme.
Abends treffen wir uns zum Abschied in Mabroka, sitzen am Lagerfeuer direkt am Meer, genießen das leckere Beduinenbrot und die romantische Stimmung bei (fast) Vollmond. Als die Beduinen zu trommeln und klatschen beginnen, ist Rica in ihrem Element. Sie kriecht zu der musizierenden Gruppe hin und klatscht aktiv voller Begeisterung mit. "Alle-alle-ja-lala?" fragt sie die Beduinen, die fast nur noch für sie und mit ihr tanzen und trommeln. Ein toller Abschluss einer besonderen Zeit.
Werden wir wiederkommen? Ich habe es mir fest vorgenommen.
Die in Ägypten von Karsten begonnene Landtherapie in Anlehnung an die Arbeit des Hamburger "Manske-Institutes" führen wir zu Hause fort. Praktische Anregungen aus dieser Arbeit tragen wir in Ricas Schule, in der bereits die Grundideen der Tätigkeitstheorie praktiziert werden.
Ein herzliches Danke an Ute Friese, an die "Aktion Kindertraum" Hannover, die uns diese Erfahrungen erst ermöglicht hat! Mögen noch viele Kinder in den Genuss kommen!"
Weitere Infos zur Delfintherapie
Organisationen, die Delfintherapien vermitteln:
Einrichtungen, die Delfintherapie anbieten:
Delfintherapie im Freizeitpark "Mundomar" in Benidorm (Spanien)
Kontakt über Delfinhilfe-OWL
Dolphin Reef Eilat
Maria Ziller
Southern Beach, P.O.B. 104 Eilat 881000, Israel
Phone: 972-7-6371846
Fax: 972-7-6375921
e-mail: reef@netvision.net.il
http://www.dolphinreef.co.il
Island Dolphin Care, Inc.
Deena Hoagland
31 Corrine Place,
Key Largo, Florida 33037
Phone: 305-451-5884
Fax: 305-453-5399
e-mail: fonzie@islanddolphincare.org
http://www.islanddolphincare.org/nonflash/home.htm
Dolphin Human Therapie
Dr. David E. Nathanson
13651 South Dixie Highway #523
Miami, Florida 33176
Phone: 305-378-8670
Fax: 305-233-6383
e-mail: BasicInfo@dolphinhumantherapy.com
http://www.dolphinhumantherapy.com
Gosudarstwiennoje Okeanarium (Ukraine)
Ludmilla Lukina
99-24 Sewastopol
Kozacza Buchta, ul. Epronowska 7
Fax: 00 380692242309
Delfintherapie in Australien: http://members.tripod.com/~Emulsana/dolphin.html
An der Universität Würzburg gibt es ein Forschungsprojekt Delfintherapie
zur Evaluierung alternativer Förder- und Therapiekonzepte im Behindertenbereich. An der derzeit laufenden Experimentalphase können Kinder zwischen fünf und zehn Jahren jeweils eine Woche kostenlos teilnehmen.
Vielleicht eine interessante Alternative, allerdings nicht direkt mit den Delfinen, in Bremen (und demnächst an weiteren Standorten in Deutschland und auf Mallorca):
Dolphin-Space-Program Wellness und Therapie für Eltern und Kinder
Weitere Erfahrungsberichte mit der Delfintherapie:
Alexander war auch in Ägypten
Zuletzt aktualisiert: März / April 2001
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