[quote]Arbeitskreis Ferienbetreuung der
Elternpflegschaft Sebastianusschule Kaarst
Sabine Heilwagen
Stodiekring 66
41564 Kaarst , den 05.07.2007
Adr.
Betrifft: Ferienbetreuung in Förderschulen- Vergessene Familien?
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir, die Eltern von Kindern der Förderschule für Geistige Entwicklung in Kaarst wollen eine Gleichbehandlung von Familien mit behinderten Kindern mit denen von nicht behinderten Kindern erreichen und bitten Sie um Ihre Unterstützung.
Einfachere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch verbesserte Kinderbetreuungsangebote, Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Familien mit Kindern, damit ein „Ja“ zum Kind erleichtert wird, sind zur Zeit in aller Munde. Pläne vom Bund, den Ländern und in den Kommunen werden in der Presse rege publiziert. Erstes erlebbares Ergebnis ist die Einführung der Offenen Ganztagsschule, die nicht nur für die Grundschulen immer weitere Kreise zieht. Ein Ferienbetreuungsangebot ist für diese eine Selbstverständlichkeit.
Unsere Kinder besuchen die Förderschule für Geistige Entwicklung, Sebastianusschule, in Kaarst.
Nach dem Schulgesetz NRW sind Förderschulen in der Regel Ganztagesschulen. Ein Ferienbetreuungsangebot gibt es jedoch nicht.
Dabei ist es gerade für Familien von Förderschülern ein Problem, die lange Ferienzeit zu überbrücken.
Für behinderte Kinder existieren zwar einige Ferienangebote freier Träger, wie beispielsweise der Lebenshilfe. Diese sind aber teilweise von den Uhrzeiten her nicht flexibel genug für Berufstätige und teilweise für das eine oder andere Kind je nach Situation nicht geeignet und manchmal auch zu teuer. So möchte beispielsweise nicht jede Familie ihr noch junges Kind für zwei Wochen in eine Ferienfreizeit mit Übernachtung schicken.
Unabhängig aber davon, ob beide Eltern berufstätig sind oder nicht, werden die Ferien für die Kinder und Jugendlichen aus Förderschulen noch aus anderen Gründen lang.
So ist oftmals die Schule für die Kinder der Ort, in denen sie Freundschaften und soziale Kontakte pflegen können. Nicht jedes Kind ist aufgrund seiner Behinderung in der Lage, außerhalb der Schule, beispielsweise in der Nachbarschaft weitere Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Und die meisten Vereinsangebote (Sport) müssen in den Ferien wegen Hallenschließung auch pausieren.
Weiterhin sind viele Förderschüler darauf angewiesen, bei diesen Kontakten unterstützt zu werden. Die meisten Eltern leisten dies, stoßen dabei aber auch oft an ihre Grenzen.
Zusätzlich benötigen gerade Schüler der Förderschule für Geistige Entwicklung eine ständige Aufsicht bei Ihren Freizeitaktivitäten, d.h. man kann sie nicht mal einige Minuten alleine, geschweige denn mehrere Stunden unbeaufsichtigt lassen, wie das bei Schülern, die eine weiterführende Schule besuchen, durchaus möglich und angemessen ist.
Viele Kinder mit einer geistigen Behinderung bedürfen einer Anleitung bei der Strukturierung ihrer Freizeitgestaltung. Das bedeutet, dass sie Vorschläge für Aktivitäten, Anleitung wie sie ihr Ziel erreichen und Hilfe bei der Zeiteinteilung benötigen und Eltern dabei einen Full-Time-Job erfüllen. Trotz elterlichen Engagements und Kreativität sind die Möglichkeiten des Elternhauses bezogen auf ein angemessenes Freizeitangebot für die kompletten Ferien oftmals eingeschränkt, so dass Eltern alleine ihren Kindern nicht das bieten können, was eine Gemeinschaft mit anderen, behinderten oder nicht behinderten Kindern leisten kann.
Zu einer familienfreundlichen Politik mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität von Familien gehört auch, dass Eltern von besonderen Kindern und Jugendlichen nicht allein gelassen werden.
In einem Zeitungsartikel des Stadtspiegels für Kaarst war von optimalen Rahmenbedingungen für Schulträger die Rede, die Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf betreuen. Eine Ferienbetreuung während mindestens der Hälfte der Sommer-, Herbst- und Osterferien gehört für uns unbedingt dazu.
Uns ist bewusst, dass die Betreuung unserer Kinder und Jugendlichen einen höheren Betreuungsschlüssel und andere Qualifikationsanforderungen als für die OGATA-Schüler erfordert.
Daher schlagen wir vor, dass die vorhandenen Ferienangebote verschiedener Träger wie der Lebenshilfe Stadt und Kreis Neuss, des Vereins für Behinderte Meerbusch, integrative Ferienaktionen der Stadt Kaarst (Bsp. Herbstferien-Aktion Pfiff-Ich) gebündelt und ausgebaut werden , ein freier Träger der Jugendhilfe für die Ferienbetreuung ähnlich der OGATA –Träger gefunden und somit das Know-How dieser Institutionen bei der Gestaltung attraktiver Freizeitangebote in Verbindung mit angemessener Betreuung genutzt wird.
Eine Umfrage unter den Eltern unserer Schüler hat ergeben, dass sich 29 Eltern für eine Ferienbetreuung ihrer Kinder und Jugendlichen interessieren, davon 18 für eine Ganztagesbetreuung über 5 Stunden. Auch die Mosaik-Schule in Hemmerden hat ihr Interesse bereits bekundet.
Wir hoffen auf baldige Antwort und die Aussicht auf eine Ferienbetreuung ab Sommer 2008 an unserer Schule.
Mit freundlichen Grüßen
Sabine Heilwagen
Im Auftrag des Arbeitskreises Ferienbetreuung der Elternpflegschaft der Sebastianusschule Kaarst
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