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Jetzt ist es doch schon
wieder 6 Jahre her seit meinem letzten Artikel. Die Zeit rennt. Carla ist
inzwischen 15 Jahre alt. Sie geht in die 9te Klasse einer Gesamtschule in
Hamburg. Carla war in der Grundschule schon als sog. Integrationskind in einer
normalen Klasse und auch jetzt in der Schule ist dies der Fall, heißt jetzt nur
Inklusion. Mit Carla sind ihre beiden Freundinnen in der Klasse. Die Kinder
sind aus verschiedenen Gründen mehr oder minder auf der gleichen
Entwicklungsstufe. – Und die Freundinnen sind der Grund, warum Carla sehr gerne
in die Schule geht und die Inklusion funktioniert. Jedes Kind braucht Freunde.
– Und engagierte Lehrer! Zum Glück haben die Mädels mit ihrem Sonderpädagogen
und Tutoren großes Glück. Dies war aber ein langer Weg, mit vielen Gesprächen
in der Schule. – Carla ist inzwischen soweit fit, dass sie mit öffentlichen
Bussen, 1x Umstiegen, alleine zur Schule fahren kann. Das hat ganz schön
Training, Zeit, Vertrauen und Loslassen gebraucht. Heute ist nicht nur Carla
deswegen stolz auf sich, sondern auch wir Eltern.
Carla macht seit kurzem
eine Lerntherapie zum Thema angewandte Mathematik im Alltag. Schon in der
Grundschule hat Carla viel Energie und Zeit ins Lesen und Schreiben investiert.
– Ich musste erst lernen, das Lesen und Verstehen der Texte ein großer
Unterschied ist. - Heute kann Carla ganz gut schreiben und lesen und einfache
kurze Texte auch verstehen. – Zahlen
oder gar Rechnen ist für Carla dagegen kaum möglich. Wegen dieser Diskalkulie macht sie die Lerntherapie,
die Carla großen Spaß macht. Der Antrag auf Kostenübernahme beim Amt läuft seit
3 Monaten und es ist noch kein Ende in Sicht. Bei der Therapie soll sie lernen
bei Zahlen Automatismen anzuwenden und vielleicht auch zu wissen, wie viel
Kugeln Eis bekomme ich für 2,20 €. Das wäre ein Traum.
Auch wenn Carla jetzt in
die Pubertät kommt, ist sie doch meist ausgeglichen und freundlich. Sie ist
auch immer höflich, vielleicht eher naiv, anderen Menschen und deren Absichten gegenüber.
Sie sieht immer nur das Beste in anderen Leuten. - Ein Merkmal, dass sie bisher
immer begleitet hat, ist weiterhin ihre Langsamkeit. Im Denken, im Handeln und
auch im Alltag. Wir haben inzwischen mehrere OPs´ hinter uns: Augen OP
(Schielen und Stabismus), Ohren (Paukenröhrchen), Fuß OP, rechts und links
(Fehlstellung, jeweils 9 Wochen Rollstuhl).
Auf den ersten Blick sieht
man Carla ihre Behinderung nicht an. Dadurch kam es schon zu Verwicklungen mit
fremden Menschen. Gott seid Dank aber eher selten. Wir als Eltern haben auch Angst,
dass ihre Naivität ausgenutzt wird. Daher versuchen wir sie immer zu stärken.
Carla fragte vor kurzem,
warum ihr 5 Jahre jüngerer Bruder Dinge tun darf und sie nicht? – Manchmal
denke ich, Carla lebt in Ihrer Welt, sie ist glücklich und zufrieden und ihr
ist oft nicht klar, dass sie anders ist und eine Behinderung hat. Nur manchmal
blitzt es durch. –
Für Carla sind Ihre
Freundinnen und Freunde sehr wichtig. Sie engagiert sich in einem Sportverein
Phoenix-Sport für Menschen die mit geistiger und/auch körperlicher Behinderung
leben. Sie spielt Basketball und nimmt am Schwimmkurs teil. Inzwischen hat sie
schon das Bronzeabzeichen. Diese sozialen Kontakte sind das Beste was Carla und
uns passieren konnte. Das ist Carlas Welt auf Carlas Nivea. – Carla wird ihren
Weg gehen.
Wir als Familie können von
Carla auch immer wieder lernen. Lernen z.B. mehr im Hier und Jetzt zu leben und
mehr Langsamkeit in unserem Alltag zu zulassen.
Letztens habe ich einen
Spruch gelesen, der jetzt an Carlas Zimmertüre hängt:
Warum Du so bist wie Du bist?
Vielleicht, weil Dich jemand genau so braucht,
wie Du bist!
Viele Grüße aus Hamburg
von
Vera und Stephan mit Carla
und Georg
Kontakt:
0172 – 45 44 530
