Im Vorfeld konnte man sich über die Angebote von Frühförderstellen und Therapieeinrichtungen informieren.
Uns war es wichtig, dass die Diskussion sich nicht nur darum dreht, woher das Geld genommen werden soll und wer es nicht bezahlen kann, sondern vor allem darum, den Verantwortlichen klarzumachen, wie wichtig
Frühförderung ist und dass die Kinder und ihre Eltern schnell Hilfe und Unterstützung brauchen.
Dazu veranstaltete die Fraktion der Grünen im Rat der Stadt Dortmund (Daniela Schneckenburger) zusammen mit LEONA e.V. (Birgit Maiwald) am 8.12.1999 eine Pressekonferenz.
Eltern-Statement für die Presse-Konferenz
Eltern fordern: Frühförderung für jedes behinderte oder von Behinderung bedrohte Kind!
Wir persönlich sind mit unserer Tochter noch in den Genuß einer umfassenden, vorbildlichen
Frühförderung gekommen. Familien, die heute ein behindertes Kind bekommen, haben dieses Glück
nicht mehr. Da aber die Geburt eines behinderten Kindes die Familie erfahrungsgemäß in eine tiefe
Krise stürzt, aus der man allein nur schwer wieder herausfindet, muß das ganzheitliche Angebot
unbedingt erhalten bleiben.
Aus Gesprächen mit "frisch" betroffenen Eltern wissen wir, dass diese noch nicht so weit sind, die Kraft
aufzubringen, für ihre und die Rechte ihrer Kinder zu kämpfen. Deshalb müssen wir das für sie tun.
Was eine gute Frühförderung ausmacht:
- niedrigschwelliges Informationsangebot für "frisch betroffene" Eltern
- Einzelförderung unter Miteinbeziehung der Eltern
- zusätzlich Förderung in Gruppen von idealerweise 6-8 Kindern
- Auffangen der Eltern in Krisensituationen
- Stärkung der Elternkompetenz
- Beratung und Unterstützung bei sozialrechtlichen Fragen
- Gesprächskreise für Eltern
- Freizeitangebote zur Vermittlung von Kontakten zwischen den Familien
Die Bewilligungspraxis der Stadt Dortmund in den vergangenen 2 Jahren hat dieses Angebot ausgehöhlt
und untergraben. Gruppenförderung wird faktisch nicht mehr bewilligt. In vielen Fällen wird die
heilpädagogische Frühförderung ganz abgelehnt und auf Angebote in Kostenträgerschaft der
Krankenkassen (KG; Ergotherapie usw.) verwiesen, die aber keinen Ersatz darstellen.
Unsere Befürchtung, die anläßlich der morgigen Fachtagung neue Nahrung erhält:
- unsere Kinder werden nur noch unter Kosten/Nutzenaspekten gesehen
- die Durchführung der Qualitätskontrolle durch das Gesundheitsamt halten wir Eltern für nicht neutral Schemata zur Beurteilung der Wirksamkeit von Therapiemaßnahmen können bei der Vielfalt von Behinderungen nur unzulänglich sein (wie solche Bewertungskriterien am Bedarf vorbeigehen, zeigt uns das Pflegegesetz, das Kindern auch nicht gerecht wird)
- "Qualitätskontrolle/Qualitätssicherung" kann bei schwerstbehinderten Kindern mit minimalen Fortschritten dazu führen, dass Maßnahmen nicht weiterbewilligt werden, weil sie sich "nicht lohnen"
- die "von Behinderung bedrohten" Kinder werden so lange ohne Förderung gelassen, bis eine Behinderung definitiv eingetreten ist. Eine späte Therapie ist meist aufwendiger, langwieriger und teurer als eine frühe.
Frühförderung hat noch keinem Kind geschadet, wohl aber die Verschiebung notwendiger
Fördermaßnahmen auf einen späteren Zeitpunkt!
Es ist blauäugig zu glauben, man könne an der Frühförderung sparen! Die Kosten späterer Maßnahmen
sind um ein Vielfaches höher!
Die derzeitige Praxis der Stadt Dortmund trägt zur Zermürbung der Eltern bei, was den Kindern
wiederum schadet, weil die Eltern nicht ihre ganze Kraft auf die ihr Kind konzentrieren können.
Die Frühförderstellen werden systematisch "ausgehungert", weil keine Bewilligungen erteilt werden.
Sollte sich diese Praxis wieder ändern, sind sie dann nicht mehr in der Lage, den Bedarf zu decken, weil
zwischenzeitlich schon personelle Konsequenzen gezogen wurden.
Meldung in den Regionalnachrichten des Westdeutschen Rundfunk - Östliches Ruhrgebiet
Die folgende Meldung wurde in folgenden Sendungen ausgestrahlt:
- Zwischen Rhein und Weser, 8.12.99, 16.30 Uhr, WDR 2
- Der Tag heute, 8.12.99, 17:30 Uhr, WDR 2
Dortmunder Bürokratie verschleppt Frühförderung
Das werfen der Arbeitskreis "Der behinderte Mensch" und die Elterninitiative "LEONA" dem Dortmunder
Sozialamt vor. Anträge auf heilpädagogische Hilfe für Kleinkinder liefen über Monate bis Jahre und
würden öfter abgelehnt als noch vor einigen Jahren.
Thomas Wiethoff:
"Kommt die Frühförderung zu spät, sind oft Chancen vertan. In den ersten Lebensjahren besonders
wichtig: heilpädagogische Gruppen, in denen die Kinder gemeinsam spielen. Nach Erfahrungen der
betroffenen Eltern verweist das Sozialamt immer öfter auf Heilbehandlungen statt auf Frühförderung, da
diese von der Krankenkasse und nicht vom Sozialamt bezahlt werden. Bewegungstherapie oder
Sprecherziehung seien aber zu punktuell und nicht umfassend genug. Das Dortmunder Sozialamt gibt zu,
dass es die Anträge genauer prüfe als noch vor einigen Jahren, Laufzeiten über 2 Jahre seien aber
Einzelfälle. Die Praxis der Leistungsgewährung ist das Thema einer Tagung des Gesundheitsamtes
morgen im Dietrich-Keuning-Haus. Die betroffenen Eltern dürfen nicht mit aufs Podium."
