Inhalt

Geistige Behinderung bei Kindern mit genetischen Syndromen?

Dieser Beitrag befasst sich mit der Frage, wie Kinder denken lernen, wie eine geistige Behinderung entsteht und wie sie sich gegebenenfalls verhindern lässt. Er beruht auf theoretischen Grundlagen und Modellen sowie hermeneutisch-interpretativen Videoanalysen von Interaktionen einer Montessoritherapeutin mit Kindern, die wegen einer genetischen Syndromdiagnose und motorischen Entwicklungsverzögerung a priori für geistig behindert gehalten werden.

Anhand einer detaillierten Einzelfallbeobachtung wird exemplarisch gezeigt, dass es sich hierbei um eine Fehlinterpretation ihres Verhaltens handelt. Während die Kinder nonverbal ihre verzögerte Sprachmotorik kompensieren, versuchen sie nicht selten, sich gegen eine wahrgenommene Unterschätzung und Unterforderung zu wehren. Offenbar beschränkt sich die Macht ihrer Gene auf das körperliche Erscheinungsbild und motorische Funktionen. Ihre psychomentalen Prozesse sind davon unabhängig, da sich das Gehirn erst postnatal und unter dem induktiven Einfluss der Umwelt zum Denkorgan entwickelt.